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Hier dreht sich alles um die Ernährung von Hund und Katze

Immer wieder begegnet mir in der Ernährungsberatung die gleiche verständliche Frage: „Können wir nicht einfach ein Blutbild machen, um zu sehen, ob mein Hund/meine Katze gut versorgt ist?“ Und die ehrliche Antwort lautet: nein.
Ein Blutbild kann Hinweise liefern, aber es kann die Nährstoffversorgung deines Tieres nicht zuverlässig beurteilen.
Warum das so ist, welche Rolle der Körper dabei spielt und wie sich Mängel entwickeln, erkläre ich dir in diesem Beitrag.

 


Das Blutbild als wichtiges Hilfsmittel zur Diagnostik

Ein Blutbild kann wichtige, diagnostische Hinweise liefern:
• Organfunktionen
• Entzündungen
• oder auch Veränderungen im Blut selbst

Was es nicht zeigt:
Ob die tägliche Fütterung den Bedarf deines Tieres langfristig deckt.

Warum ist das so?
Das Blut hat eine sehr wichtige Aufgabe im Körper. Und zwar Nährstoffe zu transportieren. Aber nicht zu speichern! Gespeichert werden sie hauptsächlich in Leber, Knochen, Muskeln und Fettgewebe.
Da der Körper darauf ausgelegt ist, alle Nährstoffe im Blut möglichst konstant zu halten, greift er bei einem Mangel also auf diese Speicher zurück.
Das führt dazu, dass er häufig sehr lange unsichtbar bleibt.
Das Blut ist also kein Frühwarnsystem für einen Nährstoffmangel.

Wie lange dein Hund, bzw. deine Katze diesen Nährstoffmangel ausgleichen kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
• Alter
• Gesundheitszustand
• Art des Nährstoffs
• Höhe des Defizits

Ich habe dir eine grobe Übersicht zusammengestellt
Mineralstoffe (z.B. Calcium, Phosphor):
• holt sich der Körper bei einem Defizit aus den Knochen
• können Wochen bis Monate kompensiert werden
• erste Symptome sind z.B. Lahmheit, Knochenprobleme, Muskelzittern,…
• Langzeitfolgen können Skelettdeformationen und bleibende Schäden im Bewegungsapparat sein
• besonders kritisch im Wachstum (es können bereits nach wenigen Wochen irreparable Schäden entstehen)

Spurenelemente (z.B. Eisen, Zink, Kupfer, Selen,..)
• können Wochen bis Monate kompensiert werden
• erste Symptome sind z.B. Hautprobleme, schuppiges Fell, Müdigkeit, Muskelschwäche,…
• Langzeitfolgen können Immunschwäche, chronische Hautprobleme oder Leistungsabfall sein

Fettlösliche Vitamine (A, D, E und K):
• können mehrere Monate kompensiert werden
• erste Symptome sind z.B. Haut- und Schleimhautveränderungen, Knochenprobleme, Muskelschwäche, neurologische Auffälligkeiten,…
• wichtig: fettlösliche Vitamine können auch sehr schnell überdosiert werden!

Wasserlösliche Vitamine (alle B-Vitamine und Vitamin C):
• können nur Tage bis wenige Wochen kompensiert werden
• erste Symptome sind z.B. Appetitlosigkeit, Nervosität, Mattigkeit, neurologische Auffälligkeiten,…
• Langzeitfolgen können Nervenprobleme oder Stoffwechselstörungen sein

Protein und essentielle Aminosäuren:
• können nur begrenzt kompensiert werden, da der Körper sich quasi selbst abbaut
• erste Symptome sind z.B. Gewichtsverlust, Muskelabbau, stumpfes Fell,…
• Langzeitfolgen können Immunschwäche, schlechte Wundheilung oder Leistungsabfall sein

Und deshalb ist es so schwierig
Selbst bei bestehenden Mängeln kann das Blutbild lange normal erscheinen.
Das liegt daran, dass der Körper alles Notwendige unternimmt, um sich stabil zu halten:
Er greift auf seine Speicher zurück (Leber, Knochen, Muskeln und Fettgewebe), setzt Prioritäten (lebenswichtige Prozesse zuerst) und hält die Werte im Blut möglichst konstant.

Fazit:
Ein unauffälliger Blutwert bedeutet nicht automatisch, dass dein Tier optimal versorgt ist.
Ein auffälliger Blutwert bedeutet nicht automatisch, dass es am Futter liegt.
Beides muss immer im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.

Die Lösung:
Die zuverlässigste Methode ist eine fundierte Überprüfung deiner Fütterung.
Dabei wird die Ration genau analysiert:
• Durchführung einer individuellen Bedarfsanalyse (unter Berücksichtigung der aktuellen Lebensphase und evtl. Erkrankungen)
• Auflistung jedes einzelnen Futtermittels, welches gefüttert wird
• in welchen Mengen jedes einzelne Futtermittel gefüttert wird
Nur so lässt sich feststellen, ob die Versorgung bedarfsdeckend ist.
Oder es möglicherweise sogar Überversorgungen bei einigen Nährstoffen gibt, was auf Dauer ebenfalls körperliche Schäden verursachen können.

Wenn ein Nährstoffmangel oder -überschuss festgestellt wurde, lässt sich das in der Regel mit einer angepassten Fütterung wieder ausgleichen.
Aber: entscheidend ist die Ursache für diesen Nährstoffmangel!
Liegt es an der Fütterung? An einer Erkrankung? Hat dein Tier, evtl. rassebedingt, einfach einen höheren Bedarf? Ohne Ursachenklärung besteht die Gefahr, dass das Problem wiederkehrt.
Es ist daher unumgänglich, dein Tier immer als Ganzes zu betrachten!
Die Fütterung spielt eine essentielle Rolle. Sie ist der Grundstein für Gesundheit.
Aber individuelle Faktoren, wie Rasse, Lebensphase, Aktivität, Erkrankungen, usw. müssen unbedingt immer mit berücksichtigt werden!

Und daher ist es wichtig, nicht einfach ein paar Nährstoffe extra zu füttern oder irgendeine Komplettmischung zu verabreichen.
Wichtig ist eine gezielte Ergänzung. Manche Nährstoffe können vorübergehend auch über den Bedarf hinaus gegeben werden, wenn die Speicher schon sehr leer sind. So etwas sollte aber unbedingt immer individuell angepasst werden und nicht „einfach drauf los“. Denn nicht jeder Nährstoff darf bedenkenlos hochdosiert werden.

Unsere Tiere zeigen uns oft erst sehr spät, dass etwas nicht stimmt. Weil ihr Körper lange versucht, Ungleichgewichte auszugleichen. Und gerade deshalb ist es so wichtig, genau hinzuschauen. Wenn die ersten Symptome sichtbar werden, ist es oft schon 5 vor 12.

Mein Tipp:
Lass für dein Tier eine individuelle Futterüberprüfung durchführen um sicher zu sein, dass es mit allen Nährstoffen ausreichend versorgt ist. Und auch nicht überversorgt ist. So legst du den ersten wichtigen Baustein für langfristige Gesundheit.

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