Dieses Thema löst oftmals hitzige Diskussionen aus. Wobei häufig noch unterschieden wird in „Kein Getreide füttern“ und „Keine Kohlenhydrate füttern“. Denn tatsächlich werben mittlerweile sehr viele Hersteller mit der Aufschrift „getreidefrei“. Aber warum getreidefrei? Grund ist, dass die meisten Getreidesorten einen hohen Anteil an antinutritiven Stoffen, den sogenannten „Anti-Nährstoffen“, enthalten, die die Aufnahme von wichtigen Nährstoffen behindern können. Dazu zählen zum Beispiel Lektine, Gluten, Oxalsäure und Phytinsäure. Darum werden meist Kartoffeln, Erbsen oder sogenannte „Pseudogetreide“ empfohlen, wie zum Beispiel Amaranth, Quinoa oder Buchweizen. Diese gehören zwar auch zu den Kohlehydratquellen und enthalten ebenfalls antinutritive Stoffe, aber in geringeren Mengen und dafür teilweise mehr Protein, Mineralien und Ballaststoffe.
Nun gibt es aber einige Stimmen die sagen, dass Kohlenhydrate generell nicht in die Fütterung von Hunden und Katzen gehören, die anderen schwören darauf, und wieder andere füttern sie nur hin und wieder mal. Aber wieso gibt es so gravierend unterschiedliche Meinungen zu dem Thema? Grund dafür ist vermutlich der Verdauungstrakt von Hunden und Katzen.

Der Wolft frisst zwar hin und wieder auch mal ein paar Beeren, Gräser oder Wurzeln, allerdings in sehr überschaubaren Mengen und nicht um sich satt zu fressen, sondern nur um seine Verdauung anzuregen. Wölfe besitzen nämlich gar nicht das Enzym, welches für die Spaltung der Kohlenhydrate erforderlich ist: Amylase.
Hunde haben sich über Jahrtausende an die menschliche Nahrung mehr oder weniger angepasst, da sie häufig die Reste vom Tisch bekamen. Sie haben über all die Jahre dieses Enzym gebildet. Daher sind sie in der Lage, Kohlenhydrate aufzuspalten und so Stärke und Glykogen abzubauen um daraus Energie zu gewinnen. Allerdings ist dies mit deutlich mehr Aufwand verbunden, als bei der Energiegewinnung durch Fett.
Katzen haben das Enzym Amylase nicht, bzw. nur mit sehr eingeschränkter Aktivität! Katzen benötigen daher nur einen geringen Teil an Ballaststoffen, um die Verdauung zu unterstützen. Und diesen beziehen sie aus ihren 5% Gemüseanteil im Futter. Sie sind auf Fett und Protein angewiesen und daher ist eine Kohlenhydratfütterung für sie absolut ungeeignet. Auch weil die Stärke in den Kohlenhydraten zu den Mehrfachzuckern zählt und Katzen sehr lange benötigen, diese abzubauen, verbleiben diese Zuckerstoffe sehr lange im Verdauungstrakt zu Lasten der Nieren und Bauchspeicheldrüse.
Aber: Hunde haben trotzdem keinen Kohlenhydratbedarf! Du kannst deinem Hund prinzipiell zwar Kohlenhydrate in Form von (Pseudo)Getreide oder Kartoffeln füttern, der Anteil sollte aber möglichst maximal 40% des pflanzlichen Anteils in der Fütterung ausmachen.
Beispiel beim Grundkonzept BARF: 70% tierischer Anteil, 20% Obst/Gemüse und 10% Kohlenhydrate.
Auch wenn du einmal den Darm von Pflanzenfressern und Fleischfressern vergleichst, wirst du feststellen, dass der von Pflanzenfressern fast doppelt so lang im Vergleich zu ihrer Körpergröße ist, wie der von Fleischfressern. Das liegt daran, dass Pflanzen, und dazu zählt auch (Pseudo)Getreide, eine viel längere Verdauungszeit benötigen. Hunde und Katzen sind daher von Natur aus gar nicht darauf ausgelegt, komplexe Kohlenhydrate zu verwerten.
Und wie so oft: Ausnahmen bestätigen die Regel! Es gibt Tiere, bei denen eine Fütterung von Kohlenhydraten, teils auch in höheren Mengen, sinnvoll ist. Daher solltest du Kohlenhydrate keineswegs verteufeln. Sie können durchaus hilfreich sein. Sie sind ein sehr guter Energielieferant für Hunde. Gerade bei Hunden, die zu Gewichtsverlust neigen, trotz hohem Fettanteil in der Ration. Oder bei Hunden, die einfach nicht viel Fett in der Fütterung vertragen, wie zum Beispiel bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen. Oder bei Lebererkrankungen, da in diesem Fall weniger Protein gefüttert werden muss um die Leber zu entlasten.
Wenn du allerdings größere Mengen Kohlenhydrate fütterst, solltest du unbedingt darauf achten, dass dein Hund keinen Nährstoffmangel erleidet. Das kann dauerhaft zu gesundheitlichen Problemen führen. Die fehlenden Nährstoffe muss du dann über Nahrungsergänzungsmittel abdecken.
Und wie ist es nun am besten? Wie eigentlich immer beim Thema Fütterung ist es total individuell und muss bei jedem Tier geprüft werden, ob und wie viel Kohlenhydrate in der Fütterung sinnvoll sind.
Und egal für welche Kohlenhydrate du dich entscheidest, eines gilt für alle: sie sollten extra lange gekocht werden, bevor du sie deinem Hund fütterst. So machst du sie deutlich leichter verdaulich für ihn. Sie sollten möglichst weich und matschig gekocht werden. Eine Faustregel besagt, etwa 3x so lang, wie für uns Menschen.