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Hier dreht sich alles um die Ernährung von Hund und Katze

Beim BARF-Konzept wird versucht, das Beutetier von Hund und Katze nachzubauen. Ich erkläre dir hier das Grundprinzip für ausgewachsene, gesunde Tiere! Bei Erkrankungen kann die Aufteilung komplett anders aussehen!
Bei der „typischen“ Aufteilung geht man beim Hund von einem Obst/Gemüseanteil von 20% der gesamten Futtermenge aus. Das kann allerdings individuell sehr stark variieren. Wie bei eigentlich allen Dingen des Lebens, gibt es auch hier alle Extreme: Von komplett vegetarischer Ernährung bis hin zu 100%iger Fleischfütterung. Bei der Katze sieht das Ganze anders aus: bei ihr bestehen gerade einmal 5% der Fütterung aus Ballaststoffen. Sie sorgen für eine bessere Verdauung. Da die Katze ein reiner Carnivore (Fleischfresser) ist, gibt es bei ihr auch nicht viel Spielraum. Sie frisst ihre Beute, die Maus, komplett mit Magen-Darm-Inhalt. Daher reichen bei ihr 5% pflanzliche Kost.
Anders sieht es beim Wolf aus. Neben seinen Beutetieren frisst er auch gelegentlich Beeren, Wurzeln, Gras, Kräuter und auch den Kot von Pflanzenfressern. Bei Kotanalysen von Wölfen konnten diese Bestandteile nachgewiesen werden. Daher ist davon auszugehen, dass sie einen gewissen Teil an pflanzlicher Nahrung benötigen.

Doch wofür benötigen sie diese?
Obst und Gemüse sind reich an Ballaststoffen. Sie sorgen dafür, dass der Kot weder zu weich noch zu fest ist.
Es gibt unlösliche und lösliche Ballaststoffe. Die unlöslichen werden unverarbeitet wieder ausgeschieden. Dennoch erfüllen sie einen wichtigen Zweck: sie binden Wasser im Darm und erhöhen das Kotvolumen. Das fördert die Darmperistaltik und sorgt so für einen leichteren Kotabsatz. Die löslichen Ballaststoffe können zwar von Hunden und Katzen auch nicht aufgespalten und verdaut werden, allerdings dienen diese als Futter für die „guten“ Darmbakterien. Durch mikrobielle Fermentation spalten sie die Faserstoffe auf und es entstehen wichtige Fettsäuren.

Du wunderst dich vielleicht, warum man beim BARFen von Hunden gleich von 20% pflanzlichen Anteil ausgeht, das erscheint auf den ersten Blick doch recht viel. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass wir bei den 20% von frischem Obst und Gemüse sprechen, welches teilweise aus bis zu 90% Wasser besteht. Im Kot der Wölfe wurde die Trockensubstanz analysiert, d.h. der Wasseranteil war bereits rausgerechnet. Bei Wölfen geht man von einem idealen Rohfasergehalt von 1-2% im Futter aus, bei Katzen von 0,5-1%.
Ein deutlich höherer Anteil an Rohfasern und somit ein höherer Anteil an unverdaulicher Kost, erhöht das Kotvolumen erheblich. Bei Hunden kannst du aber, je nach Alter und Gesundheitszustand des Tieres, den pflanzlichen Anteil erhöhen und den tierischen Anteil dafür senken. Gründe dafür gibt es einige: wenn du aus ökologischen Gründen einfach nicht so viel Fleisch füttern möchtest, wenn es deinem Tier sogar besser schmeckt, wenn es krankheitsbedingt notwendig ist,… auch vertragen viele Tiere eine gewisse Menge Kohlenhydrate in der Fütterung, die auch zum pflanzlichen Anteil gezählt werden. Wenn du deinem Hund Nudeln, Reis, Kartoffeln, etc. fütterst, sollten diese aber sehr weich und matschig gekocht werden, damit er diese auch verdauen kann. Sonst wird es 1:1 wieder ausgeschieden. Darüber wird es aber aber noch einen separaten Beitrag geben. Achte nur in diesem Fall darauf, dass dein Tier bedarfsdeckend versorgt ist, also alle Nährstoffen in ausreichender Menge bekommt. Eventuell musst du ein paar Nahrungsergänzungsmittel nutzen. Wenn du dir unsicher bist, lass dir den Futterplan lieber einmal professionell durchrechnen.
Obst und Gemüse solltest du nun aber nicht einfach in Stücken roh geben, da dein Tier es so nicht verdauen kann.
Die Zellwände müssen erst zerstoßen werden. Das machst du, indem du es dünstest oder pürierst.

Anders als bei uns Menschen, nehmen Hunde kaum Vitamine aus Obst und Gemüse auf. Es ist daher auch nicht nötig, dass du dem Obst/Gemüse immer Öl zugibst. Bei ihnen geht es eher um die sekundären Pflanzenstoffe. Vitamine und Nährstoffe beziehen sie aus Fleisch, Innereien und Knochen. Daher brauchst du auch nicht Unmengen verschiedene Sorten zubereiten. Es macht aber Sinn, verschiedene Farben zu füttern, da sie unterschiedliche Pflanzenstoffe liefern.  Sie können die Verdauung fördern und das Immunsystem unterstützen. Außerdem wirken manche Stoffe Zellschädigungen entgegen.

Die wichtigsten sekundären Pflanzenstoffe

Flavonoide und Polyphenole:
• pflanzliche Farbstoffe, die dem Obst/Gemüse eine rote bis bläuliche Färbung verleihen
• wirken krebshemmend, antioxidativ, entzündungshemmend, stärken das Immunsystem und schützen vor freien Radikalen
• besonders viel enthalten in Äpfeln, Birnen, Pflaumen, Beeren, Grünkohl und Auberginen

Carotinoide:
• pflanzliche Farbstoffe, die dem Obst/Gemüse eine rote, orangene oder gelbe Färbung verleihen
• wirken krebshemmend, antioxidativ, verhindern Zellschädigungen, stärken das Immunsystem und können sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken
• besonders viel enthalten in Karotten, Kürbis, Tomaten, Aprikosen, Grünkohl und Spinat

Phytosterine:
• wirken krebshemmend und haben eine cholesterinsenkende Wirkung
• besonders viel enthalten in Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen, Sesam, Sojabohnen und Nüssen

Saponine:
• pflanzliche Geschmacksstoffe
• wirken krebshemmend, antimikrobiell, entzündungshemmend, stärken das Immunsystem und haben eine cholesterinsenkende Wirkung
• besonders viel enthalten in Sojabohnen, Kichererbsen, Linsen, Spinat, Fenchel und Knoblauch

Glucosinolate:
• pflanzliche Geschmacksstoffe
• wirken krebshemmend und stärken das Immunsystem
• besonders viel enthalten in Rettich, Kohl, Kresse und Radischen

Monoterpene:
• pflanzliche Aromastoffe
• wirken krebshemmend
• besonders viel enthalten in Aprikosen, Ingwer, Minze und Sellerieblättern

Es gibt allerdings auch sekundäre Pflanzenstoffe, die in der Fütterung eine negative Auswirkungen haben können.
Sie werden auch als „Anti-Nährstoffe“ bezeichnet. Die Pflanzen benötigen sie als Abwehrschutz gegen Fressfeinde oder als natürliches Pflanzenschutzmittel.

Beispiele für Anti-Nährstoffe

Lektine:
• Glykoproteine, die Kohlenhydratstrukturen binden und sich so an Zellmembranen binden können. Dadurch verklumpen die roten Blutkörperchen und es kann ein Sauerstoffmangel im Blut entstehen.
• besonders viel enthalten in Hülsenfrüchten und Vollkorngetreide
• wird durch kochen zerstört

Phytinsäure:
• Dient der Pflanze als Speicher für Phosphat und Kationen. Sie bindet die im Dünndarm resorbierten Mineralien  (besonders Zink und Eisen), sodass deren Bioverfügbarkeit reduziert wird.
• besonders viel enthalten in Getreide, Hülsenfrüchten und Ölsaaten
• kann durch Rösten, einweichen in warmen Wasser und kochen etwas reduziert werden, da sie ins Kochwasser  übergeht, es sollte daher auf keinen Fall mit verfüttert werden

Oxalsäure:
• Sie bindet die im Dickdarm enthaltenen Mineralien (besonders Calcium und Eisen), sodass deren Bioverfügbarkeit reduziert wird.
• besonders viel enthalten in Mangold, Rhabarber, Spinat und Süßkartoffeln
• kann durch kochen reduziert werden, da sie ins Kochwasser übergeht, es sollte daher auf keinen Fall mit verfüttert werden

Solanin:
• Zu viel in der Fütterung kann zu Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.
• besonders viel enthalten in Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln und Tomaten
• kann durch kochen reduziert werden, da es ins Kochwasser übergeht, es sollte daher auf keinen Fall mit verfüttert werden

geeignetes und ungeeignetes Obst/Gemüse



Es gibt natürlich noch weitere, das soll hier nur eine kleine Übersicht der gängigsten Sorten sein. Du brauchst das Obst/Gemüse nicht täglich frisch zubereiten. Du kannst dir alles pürieren/dünsten und portionsweise einfrieren oder gleich mit zur BARF-Portion geben und einfrieren.
Welches Obst/Gemüse deinem Tier schmeckt, musst du einfach ausprobieren. Nicht alle Sorten werden von allen Tieren gemocht oder vertragen. Manche mögen lieber die intensiveren Sorten, wie Fenchel oder Pastinake, andere lieber neutralere Sorten wie Zucchini oder Gurke.

Natürlich gibt es auch Hunde und Katzen, die partout kein Gemüse fressen wollen. Sie sortieren das Grünzeug feinsäuberlich aus. Du kannst probieren, es ganz fein püriert mit unter das Fleisch zu mischen. Wenn es trotzdem nicht gefressen wird, kannst du auch stattdessen Flohsamenschalen oder andere Ballaststoffe füttern. Diese sind meist sehr geruchs- und geschmacksneutral. Davon wird auch lange nicht so viel benötigt, wie von frischem Obst/Gemüse, da diese Ballaststoffe schon getrocknet sind, also kein Wasser mehr enthalten.

Es ist also nicht schlimm, wenn dein Tier kein Obst/Gemüse mag oder verträgt. Du kannst die Ballaststoffe auch anderweitig ergänzen. Allerdings fehlen dann die sekundären Pflanzenstoffe, welche eben nur in Obst/Gemüse vorhanden sind.

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