Sie sind sehr beliebt! Warum auch nicht? Es ist doch deutlich einfacher, ein fertiges BARF-Menü zu kaufen, als in der Küche zu stehen und die einzelnen Komponenten selbst abzuwiegen und zu portionieren. Und so ist man auf der sicheren Seite, weil ja schließlich schon alles drin ist. Oder doch nicht?
Heutzutage gibt es eine riesige Auswahl an bereits fertigen BARF-Menüs. Aber aufgepasst: tatsächlich sind es in den aller seltensten Fällen bedarfsdeckende Komplettmenüs, auch wenn es so auf der Packung drauf steht! Denn dieser Begriff ist nicht definiert und es gibt keine gesetzlichen Bestimmungen! Daher ist es enorm wichtig, dass du dich ein bisschen auskennst und diese „Komplettmenüs“ überprüfen kannst.
Hunde und Katzen haben unterschiedliche Futteraufteilungen.
Ich erkläre dir im Folgenden, worauf du bei fertigen BARF-Menüs unbedingt achten solltest.

Fertig-BARF für Hunde
Folgende Komponenten sollten enthalten sein:
• Muskelfleisch
• Innereien (Leber, Niere, Milz; Herz und Lunge sind nicht unbedingt erforderlich)
• Fleischknochen oder Fleischknochenmehl zur Calciumversorgung
• Obst/Gemüse oder eine andere Ballaststoffquelle
• Seealgenmehl oder eine andere Jodquelle
• Dorschlebertran oder eine andere Vitamin-D-Quelle
• ein Fischöl zur Omega-3-Versorgung
Die Aufteilung der einzelnen Komponenten sollte wie folgt aussehen:
80% tierischer Anteil: davon 50% Muskelfleisch, 15% Innereien (davon ca. ⅓ Leber, die restlichen ⅔ gleichmäßig aufgeteilt auf Niere, Milz, Herz und Lunge), 15-20% Fleischknochen, 15-20% Pansen. Wenn das zu verfütternde Tier keinen Pansen hat, wie zum Beispiel Huhn, dann erhöht sich der Muskelfleischanteil um diese 15-20%.
20% pflanzlicher Anteil: davon 60% Gemüse und 40% Obst oder zu 100% Gemüse.
Es gibt auch eine Aufteilung mit (Pseudo)Getreide in der Fütterung:
70% tierischer Anteil: davon 50% Muskelfleisch, 15% Innereien (davon ca. ⅓ Leber, die restlichen ⅔ gleichmäßig aufgeteilt auf Niere, Milz, Herz und Lunge), 20-25% Fleischknochen, 10-15% Pansen. Wenn das zu verfütternde Tier keinen Pansen hat, wie zum Beispiel Huhn, dann erhöht sich der Muskelfleischanteil um diese 10-15%.
30% pflanzlicher Anteil: davon 40% (Pseudo)Getreide, 40% Gemüse und 20% Obst oder 40% (Pseudo)Getreide und 60% Gemüse.

Fertig-BARF für Katzen
Folgende Komponenten sollten enthalten sein:
• Muskelfleisch
• Herz
• Innereien (Leber, Milz, Niere; Lunge ist nicht unbedingt erforderlich)
• Fleischknochen oder Fleischknochenmehl zur Calciumversorgung
• Gemüse oder eine andere Ballaststoffquelle
• Seealgenmehl oder eine andere Jodquelle
• Dorschlebertran oder eine andere Vitamin-D-Quelle
• ein Fischöl zur Omega-3-Versorgung
Die Aufteilung der einzelnen Komponenten sollte wie folgt aussehen:
60% Muskelfleisch, 15% Herz, 10% Innereien (davon ca. ½ Leber, ¼ Niere und ¼ Milz), 10% Fleischknochen und 5% Gemüse/Ballaststoffe.
Sollten in deinen ausgesuchten Fertig-Menüs noch keine Zusätze wie Jod, etc. enthalten sein, kannst du sie natürlich individuell ergänzen. So bekommt dein Tier auch genau die Menge, die es wirklich benötigt.
Wie viel Jod, Calcium, Vitamin D etc. dein Hund braucht, kannst du dir mit dem NRC-Rechner ausrechnen lassen.
Nun gibt es aber noch einen weiteren wichtigen Kritikpunkt: die Deklaration. Es gibt Hersteller, die ihre Futter offen deklarieren und welche, die ihre Futter nur halboffen oder geschlossen deklarieren. Bei einer offenen Deklaration kannst du genau lesen, wie viel von welcher Zutat im Futter enthalten ist. Bei einer halboffenen Deklaration werden nur teilweise Angaben gemacht und bei einer geschlossenen werden nur „Gruppen“ angegeben.
Beispiel offene Deklaration:
80% Fleisch, davon 50% Rindermuskelfleisch, 20% Hühnerhälse, 15% Rinderpansen, 15% Rinderinnereien (davon 35% Rinderleber, 20% Rinderherz, 17,5% Rindermilz, 17,5% Rinderniere, 10% Rinderlunge)
20% Gemüse/Obst/Algen, davon 8,8% Karotte, 5% Feldsalat, 5% Apfel, 1% Lachsöl, 0,1% Seealgenmehl, 0,1% Dorschlebertran.
Beispiel halboffene Deklaration:
64% Rind (z.B. Fleisch, Pansen, Innereien), 16% Huhn, 18,8% Gemüse und Obst, 1,2% Öle und Algen.
Beispiel geschlossene Deklaration:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe, Öl und Fette.
Sowohl bei der halboffenen als auch bei der geschlossenen Deklaration kannst du nicht nachvollziehen was genau in welcher Menge verarbeitet wurde. Du weist nicht, ob Knochen enthalten sind und um welche Innereien es sich genau handelt. Oft wird nämlich viel zu viel Herz oder Lunge verarbeitet. Und diese zählen zu den beiden „unwichtigsten“ Innereien in der Hundefütterung, das bedeutet, sie liefern die wenigsten Nährstoffe. Bei Katzen sollte die Zutat „Herz“ gesondert deklariert werden, da es die für Katzen essenzielle Aminosäure Taurin enthält. Außerdem kannst du bei der halboffenen und der geschlossenen Deklaration nicht nachvollziehen, um welches Gemüse, Obst, Öl und Algen es sich handelt. Das ist besonders kritisch, wenn du einen Allergiker zu Hause hast oder einen Hund/eine Katze mit vielen Unverträglichkeiten.
Tiere mit Erkrankungen haben teilweise ganz andere Ansprüche an die Fütterung, sodass diese Fertig-Menüs für sie nicht in Frage kommen. Für sie wäre es deutlich besser, wenn du die Menüs selbst zusammenstellst und auf ihre Bedürfnisse anpasst.

Kommen wir von der Quantität zur Qualität.
Was du unbedingt kontrollieren solltest ist, um was für Fleisch es sich genau handelt. Dabei meine ich nicht, ob es sich um Rind oder Huhn oder sonst was handelt, sondern welche Teilabschnitte vom Tier verarbeitet wurden. Handelt es sich um hochwertiges Muskelfleisch? Oder um bindegewebsreiche Schlachtnebenprodukte? Zu den Schlachtnebenprodukten zählen zum Beispiel Euter, Lefzen, Kehlkopf, Schlundfleisch, Saumfleisch, Stichfleisch, Fleischabschnitte,… Und diese Nebenprodukte können in höheren Mengen Verdauungsbeschwerden hervorrufen und liefern zudem kaum Nährstoffe, im Gegensatz zum Muskelfleisch. Hinzu kommt, dass gerade bei Kehlkopf, Kopffleisch und Schlundfleisch noch Schilddrüsengewebe enthalten sein kann. Frisst dein Tier auf Dauer zu viel Schilddrüsengewebe, und somit Schilddrüsenhormone, kann es irgendwann zu einer Art Schilddrüsenüberfunktion kommen.
Da die allermeisten Menüs in gewolfter Form sind, lässt es sich mit dem bloßen Auge auch nicht feststellen, um was für Fleisch es sich schlussendlich handelt. Und bei einer halboffenen oder geschlossenen Deklaration gibt dir das Etikett auf dem Produkt auch keinen Hinweis. Dazu kommt, dass sich der Fettanteil im Fleisch bei den gewolften Menüs nicht mehr, oder nur noch sehr ungenau, bestimmen lässt. Einige Hersteller geben einen zu geringen Fettgehalt an und die Tierbesitzer wundern sich, warum ihr Hund oder ihre Katze an Gewicht zulegt, obwohl sie sich an die korrekte Futtermenge halten. Oder andersrum: manche Hersteller geben einen zu hohen Fettgehalt an, und das Tier wird nicht satt, verliert an Gewicht und ihm fehlen wichtige Nährstoffe, die es über das Fett in der Nahrung bekommen würde. Ein BARF-Menü sollte einen durchschnittlichen Fettgehalt von ca. 11% haben. Wenn zu wenig Fett enthalten ist, kannst du es natürlich noch selbst ergänzen. Dazu nutze bestenfalls immer ein tierisches Fett. Pflanzliches Fett und Öle sind dafür nicht optimal geeignet. Aber wenn der Wert falsch angegeben wurde, merkst du es vermutlich erst, nachdem du es mehrere Wochen gefüttert hast. Und das ist ärgerlich. Dass so oft falsche Angaben beim Fettgehalt gemacht werden, ist auch gar nicht unbedingt beabsichtigt! Fleisch ist einfach ein Naturprodukt und die Schlachttiere sind mal fetter und mal magerer. Besonders bei Wild kann es zu erheblichen Unterschieden kommen. Wild ist im Winter meist fetter als im Frühjahr oder Sommer. Und für viele Hersteller ist es mit zu viel Aufwand und Kosten verbunden, für jede Charge den neuen Fettgehalt zu berechnen. Daher wird dann ein Mittelwert genommen.
Aber auch beim Calciumlieferant „Fleischknochen“ solltest du aufpassen. Oft werden nämlich eben keine Fleischknochen verwendet, sondern Knorpel. Und diese liefern viel zu wenig Calcium! Zum Vergleich: 100g Fleischknochen enthalten im Schnitt 2000mg Calcium. 100g Knorpel enthalten im Schnitt gerade einmal 40mg! Dein Hund müsste also, je nach Größe, kiloweise Knorpel fressen, um seinen Calciumbedarf zu decken. Das ist nicht möglich, bzw. würde ganz schnell zu Verdauungsproblemen führen. Und wie bereits oben beschrieben, sollte ein Fleischknochenmehl ergänzt werden, wenn keine rohen Fleischknochen verarbeitet wurden.
Um den Bedarf an essenziellen Fettsäuren zu decken (vor allem die Omega-3 Fettsäuren EPA und DHA), muss im Menü ein Fischöl, Krillöl oder Algenöl enthalten sein. Sie enthalten diese essenziellen Fettsäuren in direkter Form. Einige Hersteller greifen hier auf pflanzliche Öle zurück. Diese haben aber den Nachteil, dass die Fettsäuren EPA und DHA nur in einer Vorstufe vorliegen und vom Hund noch umgewandelt werden müssen, was mit erheblichen Verlusten einhergeht. Katzen fehlt diese Fähigkeit. Sie sind daher auf Fischöl, Krillöl oder Algenöl angewiesen. Pflanzenöle sind absolut ungeeignet für sie.
Es kommt leider immer noch sehr häufig vor, dass Zusätze in Fertig-Menüs falsch dosiert werden oder völlig ungeeignete Zusätze verwendet werden. Das gilt aber nicht nur bei BARF-Menüs, sondern generell bei allen Menüs. Egal ob Fertig-BARF, ein Nassfutter-Menü oder ein Trockenfutter-Menü. Hier gilt: weniger ist mehr! Es ist nicht nötig, dass zig verschiedene Kräuterchen und Ergänzungen oder teilweise sogar Heilpflanzen enthalten sind. Es wird so oft unterschätzt, dass gerade Heilpflanzen eben eine Funktion/Wirkung haben, auch wenn es „nur“ Pflanzen sind. Warum soll ich meinem Tier dauerhaft Zusätze oder Heilpflanzen füttern, die es aus gesundheitlichen Gründen gar nicht benötigt? Ich füttere lieber dann spezielle Zusätze und Heilpflanzen, wenn die Gesundheit es verlangt. Außerdem verlieren Heilpflanzen auf Dauer gefüttert auch irgendwann ihre volle Wirksamkeit.
Wenn du auf diese Dinge achtest, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, ein fertiges BARF-Menü zu füttern. Überprüfe eben, ob die Aufteilung der einzelnen Komponenten passt und um welche Fleischquellen und Zusätze es sich handelt. Wenn du ein Tier mit speziellen Bedürfnissen zu Hause hast, kannst du diese Fertig-Menüs natürlich auch selbst noch ergänzen. Beachte nur, dass nichts unnötiges gefüttert wird.