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Hier dreht sich alles um die Ernährung von Hund und Katze

Nicht jede:r hat die Möglichkeit oder die Lust, das Futter den Hund oder die Katze selbst zuzubereiten. Zugegeben: es ist deutlich einfacher, einen Sack Trockenfutter oder eine fertige Dose zu öffnen. Und auch, wenn diese Fertigfutter von vielen Menschen nicht gerne gesehen werden, haben sie doch durchaus ihre Berechtigung! Es gibt zwar leider unfassbar viele Fertigfutter, die nicht mal im Ansatz bedarfsdeckend für das Tier sind, oder deren Zusammensetzung mehr als fragwürdig ist, aber auf der anderen Seite gibt es auch genug Fertigfutter, die du wirklich guten Gewissens füttern kannst. Damit du aber weist, ob es sich bei deinem Fertigfutter um ein sinnvoll zusammengestelltes Futter handelt, musst du dich mit der Deklaration etwas auskennen.
Zunächst unterscheiden wir in „Alleinfuttermittel“, „Ergänzungsfuttermittel“ und „Einzelfuttermittel“.
Um welches Futter es sich handelt, sollte auf der Dose oder dem Trockenfuttersack draufstehen.
Aber Vorsicht: Ich habe schon sehr viele Fertigfutter gesehen, die als Alleinfutter deklariert sind, es aber definitiv nicht sind! Verlasse dich daher bitte nicht auf diese Angaben, sondern prüfe es lieber einmal selbst.

Alleinfuttermittel:
Der Hersteller gewährleistet, dass die alleinige Fütterung dieses einen Futters den kompletten Nährstoffbedarf des Tieres deckt. Würde der Hund oder die Katze theoretisch das ganze Leben lang dieses eine Futter fressen, dürften keine Nährstoffdefizite auftreten, die mit der Fütterung zu tun haben. Der Nachteil bei Alleinfutter ist, dass extrem hohe Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen zugesetzt werden müssen, um die Versorgung für jedes Tier gewährleisten zu können. Das Futter soll eine breite Masse an Tieren abdecken und kann daher gar nicht individuell für das eigene Tier passen. Beispiel: Hund A wiegt 20kg und hat den gleichen Nährstoffbedarf wie Hund B, der ebenfalls 20kg wiegt. Beide Hunde haben Normalgewicht. Hund A ist sehr aktiv, lebt mit weiteren Hunden und Katzen zusammen und ist viel draußen. Hund B ist ein ganz gemütlicher, der gerne mal auf dem Sofa liegen bleibt. Hund A wird einen höheren Energiebedarf haben, als Hund B. Hund A benötigt täglich 900g Nassfutter, Hund B benötigt täglich 750g des gleichen Nassfutters. Für beide muss der Hersteller die Nährstoffdeckung gewährleisten. Es ist also ziemlich klar zu erkennen, dass bei Hund A, bei der dauerhaften Fütterung dieses Futters, eine Nährstoffüberversorgung auftritt, was langfristig genau so zu gesundheitlichen Problemen führen kann, wie eine dauerhafte Unterversorgung.

Ergänzungsfuttermittel:
Hierbei handelt es sich um Futter, welches nicht als alleinige Futterquelle ausreicht. Zum Beispiel Gemüsemischungen oder Mineralstoffmischungen. Ein Ergänzungsfutter dient, wie der Name schon sagt, nur als Ergänzung und muss noch mit weiteren Futtermitteln kombiniert werden.

Einzelfuttermittel:
Das sind Futtermittel, welche aus nur einer einzigen Komponente bestehen. Zum Beispiel Karottenflocken, Rindermuskelfleisch, Geflügelblutpulver,…

Ist das Futter als Alleinfuttermittel deklariert, solltest du davon ausgehen können, dass alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge enthalten sind. Das ist aber leider nicht immer der Fall! Deswegen solltest du es unbedingt selbst einmal überprüfen.
Wie diese Nährstoffdeckung zustande kommt, kann sehr unterschiedlich sein. Manche Hersteller arbeiten hauptsächlich mit synthetischen Zusätzen, andere mit natürlichen, wieder andere mit beidem. Am Ende ist es auch immer eine Preisfrage.

Ist das Futter als Ergänzungsfuttermittel deklariert, musst du es unbedingt noch selbst mit allen fehlenden Nährstoffen ergänzen. Manche Hersteller geben direkt an, was noch ergänzt werden muss, viele machen das aber nicht. Dann musst du selbst heraus finden, was fehlt. Und das ist gar nicht immer so einfach. Ich möchte aber in diesem Beitrag auf die Alleinfuttermittel eingehen.

Damit du ein Futter beurteilen kannst, ist es wichtig die Deklaration lesen zu können. Es gibt die offene Deklaration, die halboffene Deklaration und die geschlossene Deklaration. Bei einer offenen Deklaration gibt der Hersteller genau an, wie viel von welcher Zutat im Futter enthalten ist. Bei einer halboffenen Deklaration werden nur teilweise Angaben gemacht und bei einer geschlossenen werden nur „Gruppen“ angegeben.

Beispiel offene Deklaration:
80% Fleisch, davon 50% Rindermuskelfleisch, 20% Hühnerhälse, 15% Rinderpansen, 15% Rinderinnereien (davon 35% Rinderleber, 20% Rinderherz, 17,5% Rindermilz, 17,5% Rinderniere, 10% Rinderlunge)
20% Gemüse/Obst/Algen, davon 8,8% Karotte, 5% Feldsalat, 5% Apfel, 1% Lachsöl, 0,1% Seealgenmehl, 0,1% Dorschlebertran.

Beispiel halbeoffene Deklaration:
64% Rind (z.B. Fleisch, Pansen, Innereien), 16% Huhn, 18,8% Gemüse und Obst, 1,2% Öle und Algen.

Beispiel geschlossene Deklaration:
Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Mineralstoffe, Öl und Fette.

Die Zutatenliste muss in in absteigender Reihenfolge aufgelistet sein. Von dem Futtermittel, von welchem am meisten drin ist, bis hin zu dem, von welchem am wenigsten enthalten ist.

Tipps worauf du beim Kauf unbedingt achten solltest

• Wie hoch ist der tierische Anteil im Futter?
Bei Hunden sollte der tierische Anteil zwischen 65% – 80% liegen. Bei Katzen bei 90% – 95%.
Beim Trockenfutter gibt es noch einen großen Unterschied:
Manche Hersteller geben den „Frischfleischanteil“ in % an, andere geben den „Trockenfleischanteil“ in % an. Der Frischfleischanteil liest sich besser auf der Verpackung, da die Prozentangabe viel höher ist. Das liegt daran, dass Frischfleisch zu 70-80% aus Wasser besteht, welches beim Trockenfleisch bereits entzogen wurde.
Ein Beispiel:
80g Frischfleisch entspricht ca. 20-25g getrocknetem Fleisch. Ein Produkt, in welchem also 30% getrocknetes Fleisch enthalten ist, enthält mehr Fleisch als ein Produkt, in welchem 80% Frischfleisch enthalten ist. Ganz gemein wird es, wenn Hersteller mischen: Sie geben einen Teil in Frischfleisch an und einen Teil in getrocknetem Fleisch. Da wird es teilweise sehr schwer herauszufinden, wie viel Fleisch nun wirklich enthalten ist.

• Wie sieht es mit der Proteinversorgung aus?
Einige Hersteller werben mit „proteinreich“ oder „mit extra viel Protein“. Dabei solltest du jedoch aufpassen, um welche Proteinquellen es sich handelt. Denn es macht einen sehr großen Unterschied, ob es sich bei dem Protein um hochwertiges Muskelfleisch handelt, oder eher um bindegewebsreiche Nebenprodukte, wie zum Beispiel Lunge, Schlund, Kehlkopf, Euter, … auch sind pflanzliche Proteinquellen, wie zum Beispiel Hülsenfrüchte oder Soja nicht zur Proteindeckung geeignet. Nicht nur, dass pflanzliche Komponenten eine geringere Verdaulichkeit haben, auch  enthalten Getreide und Hülsenfrüchte Antinutritive Stoffe, allgemein bekannt als Antinährstoffe. Sie behindern die Aufnahme wichtiger Mineralstoffe.

• Enthält das Futter ausreichend Innereien und im richtigen Verhältnis?
Die Innereien sollten bei Hunde- und Katzenfutter etwa 10% ausmachen. Dabei sollte der größte Teil aus Leber bestehen, und der Rest zu gleichen Teilen aus Niere und Milz. Oft wird mit Leber gespart (welche die mit Abstand wichtigste der Innereien ist, da sie die meisten Nährstoffe liefert!) und mit günstigerer Lunge „gestreckt“. Bei einem Fertigfutter für Hunde müssen Herz und Lunge nicht unbedingt enthalten sein, da sie keine hohen Mengen an Nährstoffen liefern. Allerdings ist Herz sehr fettarm und wird daher auch gerne verwendet. Sollten keine Niere oder Milz enthalten sein, sollten die fehlenden Nährstoffe unbedingt anderweitig ergänzt worden sein.
Bei Katzen sollte aber unbedingt ausreichend Herz enthalten und zusätzlich noch Taurin zugefügt worden sein. Lunge muss auch bei Katzenfutter nicht unbedingt enthalten sein. Auch Niere und Milz sind oft nicht enthalten, die fehlenden Nährstoffe müssen dann aber anderweitig ergänzt worden sein.

• Sind ausreichend Knochen im Futter enthalten?
Der Knochenanteil sollte 10-15% ausmachen, oder es muss noch extra Calcium ergänzt worden sein, zum Beispiel durch ein Fleischknochenmehl.

• Ist ausreichend Jod im Futter enthalten?
Jod ist wichtig für den Hormonhaushalt und sollte möglichst genau dosiert sein. Es kann in natürlicher Form, wie zum Beispiel Seealgenmehl hinzugefügt sein, oder in synthetischer Form.

• Ist ausreichend Vitamin D im Futter enthalten?
Wenn es sich nicht gerade um ein Futter mit Vitamin-D-haltigem Fisch handelt, muss dieses Vitamin ergänzt werden. Entweder in natürlicher Form wie Dorschlebertran, oder mit einem synthetischen Präparat.

• Welches Öl wird zur Omega-3-Versorgung verwendet?
Es sollte sich um ein Fischöl, Algenöl oder Krillöl handeln, denn nur diese Öle enthalten die essenziellen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA in direkter Form. Zwar enthalten auch manche Pflanzenöle Omega-3-Fettsäuren, allerdings in Form von alpha-Linolensäure. Hunde können diese zwar in EPA und DHA umwandeln, allerdings mit großen Verlusten. Katzen können diese Fettsäure nicht umwandeln, daher sind Pflanzenöle für sie nicht geeignet. Zwar darf das Futter auch Pflanzenöle enthalten, es sollte aber nicht als alleinige Omega-6-Quelle dienen.

• Enthält das Futter viele (Heil)Kräuter oder sogar Vitalpilze?
Kräuter werden gerne im Futter verarbeitet. Das ist auch an für sich nicht schlecht, allerdings solltest du darauf achten, dass es nicht zu viele verschiedene und möglichst keine Heilkräuter sind. Denn auch Kräuter haben eine Wirkung. Bedenkenlos sind in der Regel Löwenzahn, Brennnessel, Ackerschachtelhalm, Petersilie, Zitronenmelisse, Kresse, Majoran, Giersch, Estragon, … Heilkräuter sollten nur bei Bedarf gefüttert werden.Viele Hersteller geben allerdings so viele unterschiedliche Kräuter, Beeren und teilweise auch Vitalpilze(!) ins Futter, dass der Körper des Tieres quasi permanent mit pflanzlichen Schmerzmitteln versorgt wird. Es kann mit der Zeit zu einem Gewöhnungseffekt kommen. So kann es passieren, dass diese Mittel nicht mehr helfen können, wenn das Tier sie wirklich einmal benötigt.

• Ist das Futter bedarfsdeckend?
Lieber einmal nachrechnen, ob die empfohlene Tagesration ausreichend Energie liefert und den Nährstoffbedarf (Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente) wirklich deckt.

• Wie viel Feuchtigkeit ist im Nassfutter enthalten?
Der Feuchtegehalt sollte bei einem Nassfutter nicht mehr als 80% betragen, da sonst sehr viel Futter aufgenommen werden muss, um den Energiegehalt zu decken, was wiederum auch den Preis nach oben treibt. Auch sollte die Zutat „Brühe“ nicht auf der Zutatenliste stehen, denn diese ist mehr ein Füllstoff. Damit wird das Nassfutter quasi gestreckt.

Wenn du dir unsicher bist, ob dein gewähltes Futter für deinen Hund oder deine Katze geeignet ist, kannst du es natürlich auch gerne einmal professionell überprüfen lassen.
Dann bist du definitiv auf der sicheren Seite. :-)

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